31.7.2009
Italien erlaubt Abtreibungspille - Vatikan droht mit Exkommunikation
"Ermutigung zur Abtreibung"
«Wer die Pille benutzt, Arzt oder Patientin, wird automatisch exkommuniziert», sagte der emeritierte Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Elio Sgreccia. Die Zulassung des chemischen Schwangerschaftsabbruchs sei auf Druck des Herstellers der Pille erfolgt. Sie sei eine «Ermutigung zur Abtreibung». Nach dem katholischen Recht werden betroffene Frauen und Ärzte bei jeder Form von Schwangerschaftsabbruch automatisch aus der Kirche ausgeschlossen.
Für Sgreccias Nachfolger, Erzbischof Rino Fisichella, bedeutet die Einführung von Mifegyne eine «Banalisierung der Idee des Lebens». Diese werde jegliche Versuche zunichtemachen, jungen Menschen ein «richtiges Bewusstsein für Gefühlsleben, Sexualität und Liebe» zu vermitteln. Es gehe darum, Liebe «im richtigen Kontext und nicht nur als eine Laune» zu begreifen.
Auch wenn eine Abtreibung mit pharmazeutischen Mitteln durchgeführt werde, bleibe sie eine «Unterdrückung eines menschlichen Lebens, das Würde und Wert von der Empfängnis bis zum Ende hat», sagte Fisichella. Der katholischen Kirche gehe es abseits von medizinischen Fragen darum, die ethischen Konsequenzen der Abtreibung zu erörtern.
Exkommunikation als "Tatstrafe"
Auf die Frage nach einer Exkommunikation bei Anwendung der Abtreibungspille ging der Erzbischof nicht näher ein. «Die Kirche tut nichts als betonen, dass die Embryonen Personenwürde besitzen», sagte Fisichella. Beim menschlichen Leben könne man keine Unterschiede machen. «Es ist klar, dass die kirchenrechtlichen Konsequenzen die gleichen sind wie bei der chirurgischen Abtreibung.» Lediglich Mahnappelle zu starten, sei aber «zu einfach», so der Moraltheologe. Eine Abtreibung stellt kirchenrechtlich eine sogenannte "Tatstrafe" dar, dass bedeutet eine automatische Exkommunikation von Mutter, Vater und Arzt durch einen Schwangerschaftsabbruch. Die Exkommmunikation kann durch eine Beichte und ein darauffolgendes erfolgreiches Gesuch des Priester an den Vatikan wieder aufgehoben werden.
Die Untersekretärin im Sozialministerium, Eugenia Roccella, hatte vergeblich versucht, die Einführung des Mittels zu verhindern, das auch unter der Bezeichnung RU 486 bekannt ist. Roccella hatte eine Dokumentation über 29 Todesfälle im Zusammenhang mit der Einnahme von Mifegyne vorgelegt.
Der geltenden Fristenregelung zufolge sind Abtreibungen in Italien bis zum dritten Schwangerschaftsmonat erlaubt. Eine wachsende Zahl von Ärzten macht jedoch Gebrauch von dem Recht, entsprechende Eingriffe aus Gewissensgründen zu verweigern. Anders als in anderen europäischen Ländern darf das Mittel künftig nur im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthalts und nur bis zur siebten anstatt bis zur neunten Schwangerschaftswoche verabreicht werden.
In welchen Ländern ist Mifegyne zugelassen?
In Frankreich ist Mifegyne bereits seit 1988 zugelassen, England und Schweden folgten 1991 und 1992. Anfang Juli 1999 erhielt Mifegyne auch in Deutschland die Zulassung. In den Ländern Schweiz, Österreich, Belgien, Holland, Dänemark, Griechenland, Finnland, Spanien und nun auch Italien ist Mifegyne ebenfalls zugänglich.
Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch ist seit Juli 2008 in Deutschland bis zur neunten Schwangerschaftswoche (63. Tag der Schwangerschaft) erlaubt, zuvor galt die siebte Schwangerschaftswoche als Grenze. Mifegyne wird als "schonende Alternative" zu den chirurgischen Eingriffen (Absaugmethode, Kürettage) angesehen, die als deutlich riskanter eingestuft werden. Schwangerschaftsabbrüche mit Mifegyne wurden im Jahr 2008 13.917 Mal vorgenommen. Das war ein Anteil von 12,2 Prozent an der Gesamtzahl der Abbrüche.
Hersteller dürfen das Präparat nur an zugelassene Kliniken und Arztpraxen abgeben. Mifegyne darf nur unter strenger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Der herkömmliche Vertriebsweg über den Großhandel und die Apotheken ist damit ausgeschlossen.
Wie wirkt Mifegyne?
Mifegyne ist nicht mit der Pille danach zu verwechseln, die spätestens 72 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird und die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindert.
Das Präparat enthält den Wirkstoff Mifepriston. Ein Stoff, der dem weiblichen Hormon Progesteron ähnlich ist, aber entgegengesetzte Wirkung hat (Anti-Hormon). Progesteron verändert die Gebärmutterschleimhaut, so dass sich die befruchtete Eizelle einnisten und entwickeln kann. Mifepriston verhindert, dass Progesteron seine Wirkung entfaltet.
Die Entwicklung des Embryos wird gestoppt, die Gebärmutterschleimhaut löst sich und wird - wie bei einer Regelblutung - abgestoßen. Um die Wirkung von Mifegyne zu verstärken, werden zusätzlich geringe Mengen eines künstlichen Prostaglandins verabreicht. Prostaglandin ist ein wehenförderndes Mittel, das Kontraktionen der Gebärmutter und dadurch mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit eine Fehlgeburt auslöst. (Quelle: netdoktor.de)
( epd / kna / dr )