27.7.2009
Mein Sommer: ARD-Moderator Tom Buhrow
"Zeit der Fülle und Lebensfreude"
domradio: Ihre frühste Erinnerung an den Sommer?
Buhrow: Eine sehr frühe. Als Kind war ich mit meinen Eltern in Österreich an einem See. Es war so heiß, dass ich nachts in meinem Etagenbett aufwachte. Über mir schlief meine Schwester, meine Eltern standen am Fenster. Weil sie auch nicht schlafen konnten, überlegten sie sogar wieder abzureisen.
Unterm Strich ist mir der Sommer als lange Zeit ohne Schulaufgaben und mit sehr viel Natur in Erinnerung. Als sehr schöne Erinnerung. Für mich war der Weg zum Wald immer ein kurzer. Mit Freunden verbrachte ich dort sehr viel Zeit. Einmal folgten wir nur mit Butterbroten bewaffnet einem Bachlauf bis zur Quelle.
domradio: Und heute?
Buhrow: Mit meiner Familie war ich 12 Jahre im Ausland. Seitdem wir wieder zurück sind, machen wir keine großen Urlaube mehr. Wir genießen es, Deutschland wieder kennen zu lernen. Und auch das nicht unbedingt mit großen und langen Urlauben. Lieber einfach mal in Hamburg bleiben und Garten und Stadt selber genießen. Auch in diesem Jahr haben wir noch nichts Großes geplant. Wir wollen Freunde besuchen, vielleicht in einer Woche mit einem Schiff einen Kanal entlang fahren. Mit anderen Worten: Es ist fast wieder wie in der Kindheit. Nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen - das Gute liegt so nahe. Entspannen ist mir wichtiger, als exotische Ziele besuchen. Da zieht es mich gar nicht so hin. Schon gar nicht im Sommer.
domradio: Sie haben lange in den USA gelebt. Wie haben Sie dort den Sommer erlebt?
Buhrow: Zum ersten Mal war ich als Austauschschüler in den USA - und Schüler haben drei Monate Sommerferien! Allerdings heißt das nicht, dass sie drei Monate lang nur Urlaub machen. In den USA fangen Jugendliche früh an, ihr eigenes Geld zu verdienen. Die Eltern müssen derweil alle weiter arbeiten. Aber auch nicht alle. Zum Beispiel werden Lehrer nur für neun Monate bezahlt. Die machen im Sommer dann halt einen anderen Job. Kurz: Der Sommer hat einen ganz anderen Pulsschlag als die anderen Jahreszeiten.
domradio: Sommer bedeutet Hitze. Wie gefällt Ihnen das?
Buhrow: Ich bin kein Freund von Hitze. Deshalb fühle ich mich in Deutschland auch so wohl. Es ist nicht so, dass ich mich nach dem Mittelmeer sehne und fröstelnd leide. Für mich ist ein guter Sommer ein abwechslungsreicher. Sonnig im April und Mai, dann wieder durchwachsen im Juni mit Pulloverwetter, den Juli wieder heißer. Damit kann ich sehr gut leben, mir gefällt unser gemäßigtes Klima.
domradio: Wie war das in den USA?
Buhrow: In Amerika muss man immer die Klimaanlage anhaben, so heiß ist es im Sommer. Da gehen Sie von der Klimaanlage im Auto zur nächsten im Büro und weiter ins Geschäft. Meine nicht ganz ernst gemeinte Theorie lautet deshalb: Die Amerikaner shoppen so viel, weil sie von der warmen Straße in die kühlen Geschäfte flüchten. Übrigens haben auch die meisten Kirchen eine Klimaanlage.
domradio: In Europa suchen die Menschen gerne in Kirchen Abkühlung. Sie auch?
Buhrow: In jeder Jahreszeit gibt es eine Zeit des Rückzugs und der Stille. Aber im Sommer finde ich grundsätzlich eher meinen Draht zum Glauben in der Natur. Wenn ich den Wind durch die Bäume gehen sehe und Vögel zwitschern höre, habe ich das Gefühl: Das ist es. Erst im Winter zieht es mich dann auch außer der Reihe wieder eher an die klassischen Orte des Glaubens, wie Kirchen. Sommer ist für mich die Zeit der Fülle und Lebensfreude. Was natürlich nicht heißt, dass ich im Sommer nur oberflächlich für mich dahin lebe.
Zur Person:
Thomas "Tom" Buhrow (51) ist ein deutscher Journalist. Seit 2006 moderiert er die ARD-Tagesthemen. Der gebürtige Rheinländer ist Katholik. "Eine Messdiener-Karriere ist hilfreich für eine Fernseh-Laufbahn", sagte Buhrow einmal. Frühere Messdiener wie er passten vielleicht deshalb besonders gut ins Fernsehen, weil ihnen gewisse Rituale und das "große Theater" nicht fremd seien.
Für den Moderator zeigt die Kirche heute unterschiedliche Gesichter. Mit der Kirche "als Ganzes gesehen, mit Papst, Bischöfen und der ganzen Struktur", verbänden viele noch die alten Vorbehalte einer "Obrigkeitskirche". Demgegenüber erlebe er Menschen, die mit Kirche eigentlich nichts zu tun hätten, aber den Pfarrer ihrer Gemeinde "ganz toll" fänden. "Es kommt also sehr auf den Mikrokosmos an", so Buhrow.
( dr )