24.2.2009
Kardinal Meisner rügt Düsseldorfer Rosenmontagswagen mit Papst und Holocaust-Leugner Williamson
"Verletzende Darstellung"
Der Kölner Erzbischof, in dessen Diözese auch Düsseldorf fällt, weiter: "Es ist mir ein Anliegen, dies nicht unwidersprochen zu lassen." Der Karneval gebe den Menschen gute Gelegenheit, ausgelassen und fröhlich Politik und Gesellschaft aufs Korn zu nehmen". Doch wenn aus "Humor Häme wird, aus Verulkung Verletzung und aus Überzeichnung Verfälschung", dann verliere der Karneval. Dies sei beim Rosenmontagszug in Düsseldorf der Fall gewesen. Die Rheinländer hätten beim Weltjugendtag dem Papst ihre Herzen weit geöffnet. Herzlichkeit und Fröhlichkeit seien auch Kennzeichen des Karnevals. "Das sollte so bleiben", so der Kardinal.
Polischer Rosenmontag
Auf einem anderen Motivwagen, deren Themen bis zum Rosenmontag streng geheim gehalten wurden, zerschlägt NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in der Gestalt eines kahlköpfigen Skinhead mit einem Baseball-Schläger die Obdachlosenhilfe des Landes. Hintergrund dieses Wagens ist die beabsichtigte Streichung von insgesamt rund 1,2 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt für die verschiedenen Initiativen der Obdachlosenhilfen an Rhein und Ruhr. Beide Wagen erhielten während des Umzugs häufigen lautstarken Applaus der Närrinnen und Narren am Zugweg.
Auch die geplante Großmoschee im benachbarten Köln sparten die Jecken in der NRW-Landeshauptstadt nicht aus. Auf einem Motivwagen überrollt der Verein Ditib als Betreiber der Großmoschee mit einem gewaltigen Traktor einen Demonstranten der rechtspopulistischen Organisation "Pro-Köln", die gegen den Bau des islamischen Gotteshauses zu Felde zieht.
Ein weiteres Thema des Düsseldorfer Rosenmontagszugs ist die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise. Eine nackte Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde in der Haltung der römischen Wölfin dargestellt, die Romulus und Remus säugt. An ihren Brüsten nuckeln kleine nackte Figuren als Konjunkturpaket I und II, Abwrackprämie und Bankenhilfe. Im weiteren Verlauf des Düsseldorfer Narrenzugs taucht auch der neue US-Präsident Barack Obama mit Heiligenschein und in der Pose von Superman auf. Auf seinem Mantel prangt: "Yes, we can". Hinter ihm hängt die kleine Europa am Zipfel des Obama-Rocks.
Im Kölner Rosenmontagszug hatten die Narren auf ihrem politischsten Wagen das berüchtigte Terroristengefängnis Guantanamo auf Kuba dargestellt. Ausgemergelte, gefesselte Gefangene blickten durch die Gitterstäbe auf die amerikanischen Soldaten, die sich Zigarre rauchend und unter Palmen in der Hängematte das Leben auf der Karibikinsel versüßen, während die Grundcharta der Menschenrechte angekettet in der Ecke liegt. Unterstützung bei der Realisierung des Themas erhielt das Festkomitee von der Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International.
( epd / ddp / dr )