3.12.2008
Großerhzog Henri verhielt sich bislang politisch neutral
Nicht länger "von Gottes Gnaden"
In Luxemburg wollte der Großherzog eine neue Politik der Offenheit und Volksnähe zeigen. Sie bringt ihm unter den knapp 500.000 Einwohnern des Landes Beliebtheitswerte von bis zu 80 Prozent. Der «Grand-Duc» und seine Frau, Großherzogin Maria Teresa, mischen sich gern unters Volk. Die gebürtige Kubanerin, mit der er fünf Kinder hat, ist überdies Sonderbotschafterin Luxemburgs bei der UNESCO.
Trotz der großen Popularität im Volk: Der Großherzog übt Zurückhaltung, besonders im Umgang mit den Medien. Er gehört laut Magazin «Forbes» mit einem Vermögen von mehr als vier Milliarden Euro (2006) zu den «am meisten unterschätzen Monarchen Europas». In seiner Staatsführung sah sich der elegante Regent bislang in der Rolle, die sein Haus Nassau-Weilburg seit Ende des Ersten Weltkriegs ausübte: Neutralität. Großherzog Henri zeigte sich als repräsentativer Herrscher, der Einmischungen in die politischen Angelegenheiten des Großherzogtums vermied.
Die Haltung hat historische Ursachen: Seine Großtante Großherzogin Marie-Adelaide musste 1919 abdanken, nachdem ihr die Bevölkerung Parteinahme für Deutschland im Krieg vorwarf. Seit der Nachfolge ihrer Schwester Charlotte mischte sich das Regentenhaus nicht mehr in die Tagespolitik ein. Dass sich der Großherzog nun beim Thema Sterbehilfe doch so eindeutig positioniert, habe mit «Gewissensgründen» zu tun, heißt es.
Und auch dafür gibt es in der Familie ein Vorbild. Henris Onkel mütterlicherseits war der belgische König Baudouin I., der sich 1990 vom Parlament kurzzeitig für amtsunfähig erklären ließ, um ein vom Parlament beschlossenes liberales Abtreibungsgesetz nicht zu unterzeichnen. Zwei Tage, nachdem das Gesetz ohne Baudouins Zustimmung in Kraft trat, setzte das Parlament den König wieder in seine Rechte ein. Ein vergleichbarer Schritt wäre womöglich für Luxemburg auch ein Ausweg gewesen. Warum er nicht beschritten wurde, blieb zunächst offen.
Der 53-jährige Henri ist Katholik, wie 90 Prozent der Luxemburger. Im Mai 2006 besuchte das gesamte großherzogliche Haus Papst Benedikt XVI. Im September 2001, bei einem Besuch im Mainzer Dom mit Kardinal Karl Lehmann, bekundete Großherzog Henri, stolz darauf zu sein, dass allein vier Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten des 14. und 15. Jahrhunderts aus seinem nassauischen Grafenhaus gekommen seien.
Es lässt sich darüber spekulieren, dass er sich mit seinem «Nein» zum umstrittenen luxemburgischen Sterbehilfegesetz dieser katholischen Linie seine Hauses verpflichtet fühlte. Die Folge ist freilich ein Machtverlust. Kommt es zu der geplanten Verfassungsänderung, wird der Großherzog künftig vom Parlament beschlossene Gesetze nur noch unterzeichnen und verkünden dürfen; billigen muss er sie dann nicht mehr. De facto werden Luxemburgs Regenten damit ihrer Vetorechts beraubt.
( Klaus Nelißen / kna )