29.7.2008
Eröffnung der 15. Weltjugendkonferenz der Baptisten in Leipzig
"Tauche tiefer"
"Freikirchen werden in Deutschland oft skeptisch beäugt", bestätigt Reimer Dietze vom Verein für Freikirchenforschung, einem Zusammenschluss freikirchlicher Historiker und Theologen. Den Grund für die Bedenken sieht er in der Dominanz der evangelischen und katholischen Kirche: "Viele Menschen kennen nichts anderes." In den neuen Bundesländern komme zudem der "DDR-Faktor" hinzu: "Schon die großen Kirchen spielten im SED-Regime kaum eine Rolle und die Freikirchen gar keine."
Auch Walter Fleischmann-Bisten, Leiter des Konfessionskundlichen Instituts im hessischen Bensheim, macht die Minderheitenrolle der Baptisten für Vorurteile verantwortlich. Insgesamt gebe es in Deutschland rund 400.000 Baptisten. Davon seien allerdings nur etwa 84.000 im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden organisiert. "Viele Gemeinden haben sich diesem ökumenisch aufgeschlossenen Bund nicht angeschlossen", sagt er. Und gerade diese wiesen zum Teil fundamentalistische Tendenzen auf.
Taufe im Erwachsenenalter
Sindy Stier hat sich, wie alle Baptisten, mit ihrer Taufe im Erwachsenenalter bewusst für die Freikirche entschieden. "Die Erwachsenentaufe erweckt den Anschein einer Ausschließlichkeit und eines elitären Bewusstseins", sagt der baptistische Theologe Erich Geldbach. Doch habe die Taufe aber wenig mit dünkelhaftem Exklusivitätsanspruch zu tun: "Die Erwachsenentaufe ist eine andere Art und Weise, die Kirche oder Gemeinde Jesu Christi darzustellen."
Der baptistische Weltbund veranstaltet alle fünf Jahre ein Weltjugendtreffen und wechselt dabei von Kontinent zu Kontinent. Die erste Konferenz fand 1931 in Prag statt. Nach Hongkong ist nun wieder Europa an der Reihe. Die Wahl fiel auf Leipzig.
"Leipzig ist eine historisch hoch spannende Stadt", sagt Christoph Haus, Leiter des Gemeindejugendwerks des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland und Mitorganisator der Konferenz. Das Thema der friedlichen Revolution, die zum gewaltfreien Sturz der 40 Jahre dauernden SED-Diktatur in der DDR führte, lasse sich inhaltlich gut mit der Konferenz verbinden.
Tiefe Einblicke
Die steht unter dem Motto "Dive Deeper" ("Tauche Tiefer"). "Wir wollen den Jugendlichen ermöglichen, tiefer in ihren Glauben einzutauchen", sagt Haus. Dazu wird ein Programm aus Bibelarbeiten, Gottesdiensten und Gesprächsforen angeboten. Verschiedene Arbeitsgruppen befassen sich mit Themen wie Menschenhandel, Diakonie und Mission. Ein buntes Rahmenprogramm mit Musik, Sport, Entspannungsraum und Gebetsgarten soll Festival-Stimmung verbreiten.
Viele Veranstaltungen finden auf dem etwa zehn Kilometer von der Innenstadt entfernt gelegenen Messegelände statt. Damit die Leipziger von der Weltjugendkonferenz etwas mitbekommen, ist am Samstag die Veranstaltung "Leipzig Live" auf dem Augustusplatz im Zentrum vorgesehen. Neben viel Musik soll es dann eine Multimedia-Show mit Talk-Gästen geben. Dazu hat sich bereits unter anderen der ehemalige Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, angekündigt.
Zu Gast aus Togo
Die meisten Teilnehmer übernachten in einer Zeltstadt mit 3.000 Schlafplätzen auf dem Messegelände. Darüber hinaus stellen Leipziger rund 500 Privatbetten zur Verfügung. Sindy Stier hat sieben Männer und Frauen aus dem westafrikanischen Togo bei sich aufgenommen. Sie hat schon an mehreren baptistischen Jugendtreffen und freut sich auf das Großevent in ihrer Heimatstadt: "Danach erlebst du noch wochenlang einen Höhenflug."
( epd / dr )