8.4.2008
Aufruf des Kölner Erzbischofs, Joachim Kardinal Meisner zur Stammzelldebatte
Für den Erhalt des Stichtags
Die neuesten Forschungen auf diesem Gebiet haben ethisch unproblematische Alternativen zu den embryonalen Stammzellen hervorgebracht. Ich denke vor allem an die adulten Stammzellen, die beispielsweise aus Nabelschnurblut oder aus körpereigenem Knochenmark gewonnen werden. Hinzu kommen die so genannten reprogrammierten körpereigenen Stammzellen, die kürzlich erst bekannt geworden sind und vielleicht ähnliche Möglichkeiten versprechen wie die adulten. Gerade auch unter dem Aspekt einer "Ethik des Heilens" ist es daher viel aussichtsreicher, wenn sich die Forschung in Deutschland verstärkt diesen Alternativen zuwendet. Die adulten Stammzellen haben bereits in den vergangenen Jahren nachweisbare Heilungserfolge erbracht. Von den embryonalen Stammzellen ist mir nichts dergleichen bekannt.
Hoch sind die therapeutischen Hoffnungen, die viele mit der Stammzellenforschung verbinden, und entsprechend groß ist der Erwartungsdruck, auch wirtschaftlich. Das ist sehr verständlich. Niemals aber darf in dieser Situation Leben gegen Leben aufgewogen werden, erst recht nicht aus wissenschaftlichen oder gar wirtschaftlichen Erwägungen. Wenn also die deutschen Forscher ihre Energie voll und ganz auf die ethisch unproblematischen Stammzellarten konzentrieren und hier mit ihren enormen Fähigkeiten auch im Weltvergleich einen medizinischen Vorsprung herausarbeiten, haben nicht nur ungezählte Kranke etwas davon, sondern letztlich auch die Volkswirtschaft.
Ich bitte daher die entscheidenden Politikerinnen und Politiker, bei den laufenden Debatten im Bundestag und außerhalb mutig und unkonventionell in diese Richtung zu denken und bei ihren Entscheidungen die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens - von der Zeugung an - als unhintergehbaren Maßstab anzulegen."
Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln